Das Leben. [oder so]

„Ihr lebt so, als lebtet ihr ewig, niemals kommt euch eure Hinfälligkeit in den Sinn, nie achtet ihr darauf, wie viel Zeit schon vergangen ist. Als ob ihr sie in Fülle und Übermass hättet, verschwendet ihr sie.“ [Seneca]

Ich liege nackt auf dem Bett. Die kühle Morgenluft streicht über meinen mit leichten Schweissperlen überzogenen Körper. Mein Herz klopft wie wild. Keine Hände werden mich berühren. In diesem Moment da, ist nichts sinnlich, nichts erotisch. Ich bin alleine. Es ist Morgen früh. Es ist der Morgen, an dem ich meinem Team sagen werde, dass ich vor drei Tagen gekündigt habe. Darum ist mir schon bald nach dem Aufstehen elend. So elend, dass ich mich nochmals aufs Bett legen muss, um mich zu beruhigen.

Im Frühling habe ich gekündigt. Genauer am 30. April. Es ging nicht anders, da ich Ferien hatte. Weil ich das selber unschön finde, habe ich vor meinen Ferien gesagt, dass ich an einer Standortbestimmung bin. Im Frühling habe ich gekündigt, im Herbst habe ich meinen letzten Arbeitstag. Sechs Monate Kündigungsfrist. Am Anfang Euphorie, Freude über eine Auszeit, Freude über einen Neuanfang. Nach zwei drei Tagen wusste ich, ich kann so nicht sechs Monate weiterarbeiten. Die Gefühle, die schönen Gefühle der Freude, die Lust auf Neues, habe ich also verpackt in ein kleines Kästli und im Herzen versorgt. Das Kästli ist so gut verschlossen, dass mich seither alle Gedanken verlassen haben.

In der Kommunikation meiner Kündigung habe ich dies hier zitiert:
„Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.“ [Mark Twain]

Ich war so euphorisch, dass ich sogar selber gedichtet habe:
„Versprühe deine Freude wie die Pusteblume ihre Samen in alle Winde.“ [wegwunder.ch]

Auf meinem bisherigen Weg zum Kündigungsende wurde ich in Versuchung gebracht. Es wurde mir ein unbezahltes Sabbatical angeboten. Zu diesem Zeitpunkt ging mir dann dieser Satz nicht mehr aus dem Kopf: „Zweifel sind die Verräter der Veränderung.“ [ich vermute von wegwunder.ch] Das war der Moment, in dem ich eine Coaching-Stunde beansprucht habe. Und mir danach sicher war, dass meine Entscheidung richtig war. Das macht den Abschied nicht leichter.

Dann, dann wurde meine Nachfolge gewählt. Das war nochmals ein Meilenstein in Sachen Herzschmerz bzw. Abschiedsschmerz. Zwei drei Tränchen kullerten aus meinen Augen. Nicht nur meinen. Auch im Team gab’s feuchte Augen. Es wurde realer. Eine 2-monatige Überschneidung mit meiner Nachfolge konnte ich glücklicherweise abwenden. Alte und neue „jefa“ sollten nicht so lange zusammen sein. Das kann nicht gut kommen.

Nun habe ich von heute an Sommerferien, dann komme ich zurück und meine Nachfolge startet. Vier harte Wochen erwarten mich. Danach Auszeit. Mein neuer Beruf: Traumverwirklicherin. Mein Vorgehen: Toodledo. Alle Ideen aufschreiben, in Kategorien stecken. Damit ich dann noch weiss, was mit der vielen Zeit anfangen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich an diesem 30. April 2019 wie ferngesteuert gefühlt habe. Meine Kündigung hatte ich in meiner Schreibmappe dabei. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie abgebe. Ich habe auch lange nicht daran geglaubt, dass es wirklich wahr ist, was ich gemacht habe. Weil ich meine Freudengefühle für Neues in einem Kästli versorgen musste, wusste ich manchmal nicht einmal mehr, dass ich gekündigt hatte. Und das Warum hatte ich sowieso vergessen. (Allerdings gab es immer wieder Ereignisse, die mich daran erinnerten)

Lange schien es sehr unrealistisch. Nun weiss ich, dass es real ist und bald real wird. Ja, ich habe oft gezweifelt. Aber immer wieder, im richtigen Moment, kam in irgendeiner Form die Bestätigung, dass es richtig ist, was ich tue.

Zum Beispiel diese Karte mit ermutigendem Text und eine Bach Flower Mischung, die Neuanfänge unterstützt. Ja, aus meinem Team. Danke.

Der richtig „harte“ Abschied kommt noch. Das Schöne daran? Ich gehe und habe neue Freundschaften.

Freude und Farben gehen zum Samstagsplausch von Andrea Karminrot und zum Wochenglück von Fräulein Ordnung. Der Rest darf in den Himmel aufsteigen.


6 Gedanken zu “Das Leben. [oder so]

  1. Mut steht am Anfang des Handelns, das Glück am Ende ♥
    Ich bin gespannt, was du aus dem neuen Lebensabschnitt berichtest. Ich bin mir sicher, es wird großartig!
    Lieben Gruß
    Ivonne

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