Oh boy! [Die Menstruation.]

Nö nö Männer. Jetzt nicht gleich weg klicken. Bloss weil ich hier so n’bisschen über Blut schreibe? Blutrünstige Krimis lest ihr ja auch. Aber eben Blut issnichgleich Blut. Merke ich. Tja, kleiner Trost: Diese Woche lernte ich, dass sich sogar Frauen vor Menstruationsblut ekeln. (Hey, wenn du weiter liest, findest du einen Link, wenn du den guckst, siehst du hypnotisierte Männer mit Menstruationsschmerzen! Toll nich? – Oh boy, die Männer lagen gekrümmt am Boden!!)

Ich pendle. Schon mein gefühltes Leben wohne ich nicht dort wo ich arbeite. Also sitze ich im Zug, lese, lerne Spanisch Wörter, höre Nachrichten auf Französisch, stöbere auf Instagram oder gucke inspirierende oder spannende Videos. Neulich mal wieder von TEDxHamburg. Und zwar Cordelia Röders-Arnold mit ihrem „Unf*ck Menstruation„.

Ich lernte also, dass die Menstruation eines der „letzten Tabus“ in Deutschland ist. Das dürfte dann wohl für die Schweiz auch gelten. Was mich spontan so irgendwie überraschte – aber eben, ich hatte mir darüber jetzt wirklich nicht den Kopf zerbrochen. Warum auch. Aus dem Beitrag „Unf*ck Menstruation“ möchte ich nur wenig zitieren, und zwar eine von sechs Fakten, die Männer über die Menstruation wissen müssen: Menstruationsblut ist nicht blau. (Frau und Mann erinnert sich an dieser Stelle, dass Werbung für Windeln und Binden genau gleich ist! Oder zumindest war. Aus einem sterilen Behälter wird gern eine hellblau gefärbte Flüssigkeit in die Windel äh Binde geschüttet, nur um zu beweisen, dass da unten nix durchtropft)

Die durchgeführte Umfrage ergab, dass jede zweite Frau denkt, ihr Partner ekelt sich vor dem Menstruationsblut. Der Beitrag endet mit der Aufforderung, dass wir Frauen darüber sprechen sollen. Mit unseren Partnern, unseren Kollegen, unseren Söhnen, unseren Töchtern. Empört, dass Menstruation ein Tabu ist, empört, dass wir in der Gesellschaft nicht darüber sprechen können-dürfen-wollen, empört, dass Menstruationsschmerzen kaschiert und verborgen werden (müssen), empört, welche Sprüche sich Frauen anhören müssen oder wie über Frauen gesprochen wird („die hat wohl ihre Tage“, wenn sich eine Frau nicht kleinlaut – mimimimimi (in hoher Tonlage) – sondern hartnäckig vielleicht auch mal etwas garstig äussert), empört also stieg ich nach der Zugfahrt aufs Fahrrad.

Empört kam ich zu Hause an. Empört öffnete ich die Haustür. Empört kam ich rein. – Und da sass der Teenager und macht Hausaufgaben. – Ha! Na warte du! Empört, schritt ich auf und ab und lehrte ihn das Fürchten! Sozusagen das Menstruationsfürchten. Umgehend hörte sich das arme Kind meinen Menstruationsvortrag an. Stellte sogar interessierte eine Frage. (Nur eine Frage, aber immerhin) (Ganz offensichtlich hatte er auch noch nie daran gedacht, wo genau das Tampon hingehört! Pffft! Jetzt weiss er es haargenau!)


Empört ging ich am andern Tag in ins Geschäft. Empört ging ich zum Mittagessen mit drei anderen Frauen. Empört wartete ich auf den richtigen Moment. Endlich, beim Kaffee war der Moment gekommen. Und erzählte vom hellblauen Menstruationsblut. Und von meinen kürzlich tatsächlich vorgekommenen Szenen:

Szene Nummer 1: Vor einigen Wochen. In Zürich. Ich bin am Kleider probieren, genauer ’ne Hose. Plötzlich kommt die Verkäuferin zu mir und meint „sind die von Ihnen“. Huch! Meine o.b. kullern wild über den Boden – sie steckten in meiner Hosentasche und sind mir beim Ausziehen rausgefallen. Ich so: „Hups“. Die Verkäuferin so: „Macht nichts, wir sind ja unter uns.“ (Aus heutiger Sicht: Empörung pur! „wir sind ja unter uns“ – knurr)

Szene Nummer 2: Als ob ich nix gelernt hätte. Ich im Geschäft. Da, wo ich häufig Sitzung um Sitzung habe. Ende zur vollen Stunde. Beginn zur vollen Stunde. Dazwischen: Keine Zeit um an den Arbeitsplatz zurück zu gehen… und Tampons zu holen. Stehe also so vor dem Lift. Will noch schnell die Nase schnäuzen, ziehe das Taschentuch aus der Hosentasche. Kuller. Kullert doch tatsächlich ein o.b. über den Boden. Verschämt gucke ich mich um. Glück gehabt. Es hat mich niemand gesehen. (Aus heutiger Sicht: Empörung pur! „verschämt“ – zähnefletsch)

Empört also analysiere ich nach „Unf*ck Menstruation“ die beiden Szenen! Geht ja gar nicht.

Lerne bei diesem Kaffee: Es gibt auch Frauen, die sich ekeln. Tampons im Hosensack haben einige Frauen. – Ich wünsche mir ja gelegentlich so einen Patronengürtel, den würde ich wie ein Guerillakämpfer quer über dem Torso tragen und anstelle der Patronen Tampons reinstecken (allzeit bereit!)… wenn plötzlich die Tage unberechenbar, länger (und die Blutung stärker) werden… so gegen Ende 40. Ja. Ich schreibe das… nicht so locker. Ich spring also mal schnell über meinen Schatten – von wegen kein Tabu!!

Immer noch ein bisserl empört gehe ich rüber zum Samstagsplausch von Andrea Karminrot und zum Wochenglück von Fräulein Ordnung.

PS. 
„Hasi?“
„Jaaaaa?“
„Ein guter Kapitän sticht auch ins rote Meer!“
„Äh… ?“
„Haste nicht aufgepasst? – Lindert Menstruationsbeschwerden.“
„Ooooooh.“


13 Gedanken zu “Oh boy! [Die Menstruation.]

  1. Komisch eigentlich, dass wir alles ausdiskutieren. Aber daran, was das Natürlichste ist, verschlucken wir uns und machen uns ganz klein. Zarte Stimmchen mit der Frage nach einem Tampon. Wenn man dann laut antwortet, fühlt frau sich als Verbrecher. Lasst uns endlich laut werden!
    Ich habe gute Vorsätze, für Dinge, denen ich entwachsen bin. 🤷‍♀️
    Lieben Gruß
    Andrea

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  2. Also… Menstruationsblut ist *nicht* blau?
    Natürlich nicht, das blaue Blut in der Werbung stammt ja auch von adligen Frauen! Von wegen „Blaues Blut“… 😉
    So wat weiss man doch… 😀

    Liebe Grüße,
    Werner

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  3. Frau kann/soll/muss die Mens ins Gespräch bringen. Trotzdem werde ich der Sache nie etwas Positives abgewinnen. Selbstverstänldich werde ich meine Enkelin mit meinen Geschichten nicht traumatisieren und ihr die Freude daran verderben. Aber ich bin nur froh, ist das Geschichte. Warum? Ich konnte jeweils kaum stehen, musste alle 20 Minuten Tampon wechseln, habe in fremden Häusern dicke Badetücher gekauft (Brockenhaus), damit die Matratze nicht leidet, trotzdem kein Auge zugedrückt, weil ich alle 20 Minuten … Dann waren da noch Schulreisen, Klassenlager, Zeltlager (Toilette 500 Meter entfernt). Es wäre schön gewesen, diesen pünktlichen Zyklus gehabt zu haben, als ich im gebärfähigen Alter war, dann hätte Familienplanung vermutlich funktioniert. Aber dass ich dann im reiferen Alter und ohne Gefahr schwanger zu werden dies entspannten drei Wochen zwischen den Tage nie um nur 6 Stunden erweitert erleben durfte, hat mich fertig gemacht und total ausgelaugt. Nein, es war nie nie nie eine tolle Frauensache, auf die ich stolz sein sollte.
    Trotzdem: Der Erzählwert meiner Horrorerlebnisse ist auch was wert. 😉

    Liebe Grüsse von Regula

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  4. richtig! sehr gut gebrüllt. ich gehöre zu den menschen, für die es eine solche lebensqualitätsverbesserung darstellt, nicht zu menstruieren. ich habe mich lange gefragt, woran das liegt. es sind „nur“ die körperlichen symptome. bei allem anderen bin ich recht unverschämt. ich habe sogar schon schülern (wirklich männlich) tampons in die hand gedrückt, wenn ihre nase in meinem unterricht zu dolle lief. einer hat sie sich tatsächlich mal in die nase gesteckt. ich glaube, das hat hemnisse abgebaut und für einige erheiterung gesorgt. humor hilft immer.
    liebe grüße,
    jule*

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    1. hahaha… du bist ja cool, gefällt mir. Da hatten die Schüler was zu erzählen zu Hause. Ich würde mich ja krümmen vor Lachen, wenn der Teenager so eine Geschichte nach Hause brächte. Liebe Grüsse, Sibylle

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  5. Herrlich, eine Frau die laut wird in einer so natürlichen Sache.
    Und trotzdem stehe ich immer wieder an der Lehrerzimmertür, höre geflüstert die Frage nach einer Binde – die Betroffene immer in Begleitung von mindestens einer Mitschülerin, falls sie den Mut zur Frage verliert, denn es könnte ja auch ein männlicher Kollege an der Tür stehen – wie (SchülerInnen-Denke-) peinlich. Bloß blöd, dass ich nicht immer weiß wo das Binden-Depot gerade ist. Wieder in so einer Situation fragte ich über die Schulter laut meinen Kollegen nach Binden, der mir auch ein Paket brachte. Nur hatten sich die Schülerinnen inzwischen von der Tür weg in den nächsten Gang verkrümelt: „Frau Be, wie konnten Sie nur!“. Sarkasmus an – so ist es immer wenn ich denke im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa zu leben.
    Amüsant zu lesen, Deine Empörung. Der Patronengurt bekommt von mir 100 Punkte!
    Viele Grüße,
    Karin

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    1. … es fängt also schon in der Schule an… und also auch (immer noch) bei den jungen Frauen… somit aktuell kein Fortschritt in Sicht. Müssen wir also lauter werden. Danke für die 100 Punkte, manchmal hab‘ ich ein bisschen verrückte Fantasien 🙃. Liebe Grüsse, Sibylle

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  6. Der Patronengurt ….. ich knie gerade nieder!
    In der Hoffnung mich mit dem Thema nicht weiter beschäftigen zu müssen, freue ich mich über den Beginn der Menopause. Mir gings ähnlich wie Regula …. Schmerzen im Rücken, im Bauch … kaum Schlaf … gerne mit Migräne.
    Da es mir dann derartig schlecht ging, konnte und wollte ich das Thema aber nicht leise übergehen.
    Laut und deutlich sagte ich … „Ich blute und ich will meine RUHE!!“ Du wusste wenigstens jeder, woran er war 😉
    … Ich glaube aber grundsätzlich …. muss Frau noch lauter werden!
    Herzliche Grüße
    Ivonne

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