Und dann passiert’s.

Wir sitzen in einer geselligen Runde und feiern den Geburtstag meiner Mom. Der Teenager drückt den Altersdurchschnitt um gefühlt ein halbes Jahrhundert. Rechts von mir sitzt Margrit. Vielleicht ist es auch eine Marguerite, Margaret oder Margaretha. Ein Name also, wie er heute kaum mehr an neugeborene Babies mitgegeben wird. M sagt von sich selbst, im Laufen fühle sie sich wie 85 – und ist irgendwas über 70… vermutlich. Jedenfalls vergass der Werner kurzzeitig ihren Namen und irgendjemand grölte aus der Menge, das ist die „Maggy aus Brienz“. Was zum Dauerbrenner wurde – für die nächsten Stunden. So ein bisschen.

Eine kleine Mountainbike Tour…

Die „Maggy aus Brienz“ hat den legendären Brienzer Humor. Sagt meine Mom. Als die illustre Runde über den soeben aufgelösten Gospelchor des Dorfes respektive dessen Dirigenten lästert – der offenbar die Damen des Chors zu ihrem Leidwesen gern „abgeknutscht“ hat (keine Frage, das ist nicht OK!) meinte „Maggy aus Brienz“ wüstentrocken: „Und das sagt ihr mir erst jetzt?“ Als der Uhrzeiger gegen 18.00 Uhr zeigt, meint sie „ich muss nach Hause, die Pyjamas werden verteilt“. Wegen M kenne ich den Begriff „Hausteufel und Strassenengel“. Mit so einem war sie nämlich viel zu lange verheiratet. Bis er starb. Tragödie einer Generation von Frauen.

Irgendwann traf dann auch Ruedi ein. Ruedi dessen i-Tüpfli aus einem Herzchen besteht. So imaginär. Warum das so ist? Der Ruedi ist ein alter Schlawiner. So was Frauen anbelangt. Man könnte ihn auch einen „ewigen Schürzenjäger“ nennen. Dabei ist (zumindest mir) nicht so klar, ob seine langjährige Partnerschaft „offen gelebt wird“. Auf jeden Fall scheint es, als ob er meiner Mom gewisse Avancen gemacht hat. (Dazu muss man wissen, dass meine Mom eine attraktive, lustige und fitte Frau ist) Wie auch immer, sie hat dann recht schnell klar gestellt, dass der Ruedi nie auf ihrer Bettkante sitzt. Seit damals nennen wir ihn jedenfalls den „Ruedi mit dem Herzchen auf dem i“.

… und die erste Wurst vom Feuer 2019 gab’s auch noch. (Viele wird’s für mich nicht geben, Würste verleiden mir schnell. Aber so vom Stecken im Wald grilliert, hm!)

Ich sehe den Ruedi also an jenem Abend zum ersten Mal. Und bei der Verabschiedung umschmeichelt mich der Filou galant mit Worten wie „hat mich seeeeeehr gefreut, dich kennenzulernen“. Und dann passiert’s. Seine Augen wandern eine Etage tiefer. Himmelar…undzwirn! Ruedi! Du bist über 70! Und ausserdem: Das solltest du gscheiter bei der „Maggy aus Brienz“ tun. Die hat mehr Holz vor der Hüttn! (s e x im Alter ist ein Tabu. Es gibt ihn ganz offensichtlich. Toll, oder?)

Ich flitze zum Samstagsplausch von Andrea Karminrot und zum Wochenglück von Fräulein Ordnung.

PS. 
„Hasi?“
„Jaaaaa?“
„Freu dich.“
„Warum?“
„Weil sich das Holz nie bis zum Bauch runter biegen kann.“
„Hups.“


5 Gedanken zu “Und dann passiert’s.

  1. 70 ist eben wieder wie Teenager. Als ich im Altersheim gearbeitet habe (weiland), gab es da einen über 90 jährigen Herrn. Der hat IMMER anzügliche Sprüche geklopft. Ich fand das nicht lustig (weiland). Hilfe! Lg von Regula

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