Καλημέρα. [Kaliméra]

Damit man authentisch, unverfälscht und damit echt am Morgen mit „Kaliméra“ begrüsst wird, das Meeresrauschen hören kann, im Herbst den ohnehin schon ausnahmsweise unendlich langen Sommer verlängern will, muss man eine Reise tun. Im 21. Jahrhundert steigt man dafür nicht auf Ross oder in Ross und Wagen, sondern in ein Flugzeug. Und weil man diese Reise im 21. Jahrhundert in den Schulferien tut, steigen ganz viele Leute in dieses Flugzeug. Und wenn dann zusätzlich zu Mann und Teenager meine Mom dabei ist, dann, dann weiss man, dass diese Ferien anders werden.

Da das „Abenteuer“ mit Mann, Teenager und Mom schon auf der Reise anfängt, kann man am ersten Tag schon viel berichten. Und da sich „Abenteuer“ auf einer Pauschalreise irgendwie falsch anfühlt, ist das Wort in diese beiden kleinen Zeichen “ gequetscht.

Am Flughafen durchstrahlen Röntgengeräte unbarmherzig und kaltblütig das Handgepäck – zu unserer Sicherheit, natürlich. Als meine Mom also „herausgepickt“ wurde, dachte ich eher an eine sich verirrende Nagelfeile als an… ein komplett gefülltes Necessaire, mit gefühlt 100 verschiedenen Tuben, Dosen und Behältern (!). Innerlich kann ich ein Aufstöhnen nicht unterdrücken – denn wir sind ja im 21. Jahrhundert und im 21. Jahrhundert darf man maximal 100 Milliliter-Behälter mitnehmen und es ist komplett egal, wieviel noch in der Dose ist, es gilt, was auf der Dose steht. Um das alles noch zu topen, müssen alle „Flüssigkeiten“ in einem verschlossenen durchsichtigen Plastikbeutel eingesperrt werden. Um das noch zu topen, gilt auch noch, dass dieser Plastikbeutel maximal einen Liter fassen darf. – Ich blicke also auf das prall gefüllte Necessaire meiner Mom und bin kurz vor irrem Gekicher, als der Zollbeamte Dose um Dose und Tube um Tube heraus nimmt.

Kurze Zeit und einige Salben und Dosen später geht der Rucksack nochmals ins Röntgengerät. Doch noch immer stimmt etwas nicht. Ein weiterer prall gefühlter raschelnder Sack erblickt das Licht des Zolls und hervor kommen weitere Behälter. Das ist der Moment, an dem ich mich auf den Teenager stützen muss, um nicht im Boden zu versinken. Meine Mom wäre aber nicht meine Mom, wenn sie nicht sogar mit dem Zöllner „verhandeln“ könnte. Eine klitzekleine Überschreitung erlaubt der emphatische Mann und lässt ihr den Haarspray durchgehen. (Rückblickend muss ich sagen, dass MacGyver genau daraus einen Flammenwerfer gebaut hätte, ohne Büroklammer, nur mit einem simplen Feuerzeug… )

Mit ein paar Litern Flüssigkeit weniger setzen wir die Reise fort. Im Flugzeug staune ich nicht schlecht, als – kaum in der Luft – alle Kinder ein Frühstück serviert bekommen. Und alle Erwachsenen links liegen gelassen werden. In keinem Jahrhundert wäre das so passiert. Ist das jetzt gut? Wie auch immer, spätestens im Sinkflug auf Heraklion weint das halbe Flugzeug. Vor mir schluchzt es, hinter mir heult es, rechts von mir snieft es.

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In der Reihe vor mir… Kinderfrühstück (Cornflakes mit Milch. Hätt‘ ich auch lieber gehabt, als fettigen Frühstücksspeck mit lauwarmem Ei, das an an einem pampigen Käsetoast klebte…)

Das Abenteuer bei Pauschalreisen hier am Beispiel von Kreta sieht dann so aus:

  • Das ganze Flugzeug applaudiert schon vor dem Start. Wie das? Die Flugbegleiterin heisst uns willkommen zum Flug nach Fuerteventura. Ein ganzes Flugzeug ist perplex und das Raunen geht in Lachen über und als sie korrigiert eben in Applaus.
  • Kommt wohl mein Gepäck am Flughafen Heraklion an? (Erleichterung, als der Koffer auf dem Rollband erscheint)
  • Nimmt der Teenager meine Frühstücks-Challenge an, und isst eine Made, die ich ihm als kretanische Spezialität andrehen will? (In Tat und Wahrheit ist es eine getrocknete Feige, deren Schale genauso aussieht und ich drehe ihm nur diese Seite zu) (Und nein, er hat nicht, obwohl er schon mal Schnecke gegessen hat, wo ich mich nicht überwinden konnte)
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Feige, nicht Made
  • Kann ich innerhalb einer Woche meinen körperinternen Fetakäse-Speicher für die nächsten sieben Jahre füllen? (Yes, I can)
  • Wir trinken und essen griechische Spezialitäten. Und ich entdecke das einfache Glück: Raki. (Ja, das ist ziemlich ähnlich wie Reiki. Einfach anders rum. Wer zu viel Raki trinkt, dem entschwindet die „universelle oder universale Lebensenergie“, aber zackig!)
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Raki
  • Ich entdecke, dass auch die neuen Griechen gut in Wort (und im 21. Jahrhundert in Bild) sind. Und krieche ihnen voll auf den Leim. Aber natürlich erwarte ich in ganz Griechenland charmante weisse Dörfer, ja ganze Kleinstädte. Ich lerne: Dafür musst du nach Santorini fahren. (Schon Homer sagte: „Nachher ist sogar ein Narr klug.“ – Ich halte mich also gscheiter an Goethe: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“)
  • Unbekannte Blumen und Pflanzendüfte betören mich, Rosmarin wächst wie Unkraut und die Strandlilie verzaubert mich. Eigentlich heisst sie Dünen-Trichternarzisse. Und ein Foto sollte nicht sein. Denn sie blüht nur vom Nachmittag bis am nächsten Morgen. Ich habe ein paar der schwarzen Samen gesammelt und frage mich, ob sie in einem Sandtopf auch in der Schweiz wachsen… Lust darauf, das Strandlilien-Experiment mitzumachen? Schreib mir einfach bis nächsten Samstag einen Kommentar in der Art „bin dabei“. Bei mehr als drei Experimentierfreudigen entscheidet das Los. Die Samen werden von einem „Reiki-Stein“ begleitet. Was das ist? Ein Stein, der von der universellen Lebenskraft des Meeres geschliffen wurde. Und mit viel Humor von mir auf Strandspaziergang gesammelt wurde 😉.
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Strandlilien verblüht und mit Samenständen
  • Ich freue mich diebisch, dass eine Verkäuferin meiner Mom und mir „bye girls“ nachruft. Ich meine girls!! Meine Mom ist zarte 70-und-was (und ich zarte 40-und-was)! (The day is saved)
  • In Chania in einer renovierten venezianischen Werfthalle Frappé getrunken und in Rethymnon Kataifi gegessen

Ich finde, das ist alles ganz toll. Ganz abgesehen davon, dass ich jeden Tag im Meer war, Bücher gelesen und viel geschlafen habe. Und damit total tiefenentspannt in meine zweite Herbstferienwoche rüberdüdeln kann. Dann heisst es nämlich: Ab aufs Fahrrad.

Ach ja, schon Hippokrates von Kos meinte imfau, „Heiterkeit entlastet das Herz.“ Also, hoffe Teile meines Wochenrückblick haben dich ein bisschen erheitert.

Kaliméra beim Samstagsplausch von Andrea Karminrot und beim Wochenglück von Fräulein Ordnung.


6 Gedanken zu “Καλημέρα. [Kaliméra]

  1. schön zu hören wie ihr Griechenland erlebt, wünsch euch noch eine schöne Zeit, und nicht traurig sein, weiße Häuser gibt auf fast allen Kykladeninseln, aber auch Kreta ist umwerfend. Lieben Gruß aus Athen

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