Wummernde Bässe. [Tatort-Feeling]

Im letzten Moment lese ich das Schild. „Parkplätze nur für Dürüm GmbH“. Mist. Ich bin in den Hinterhof eines recht grossen, alten Gebäudes gefahren. Recht eng hier. Ich fahre langsam an den Räumlichkeiten der Islamischen Gemeinschaft vorbei, es wird noch enger, die Bosporus Bar kündigt sich an. Drei, vier Plastiktische schmiegen sich an die Hauswand, südländische Männer besetzen die Stühle, gegenüber ein türkischer Lebensmittelladen (?). Ich kann nicht lange gucken, es ist zu eng. Und eigentlich suche ich ja was anderes. Die Räumlichkeiten meiner Schnupperlektion Hip Hop. Einmal in Zeitlupe rund ums Gebäude, ein ganz anderer Mikrokosmos. Ich werde – natürlich – neugierig angeguckt, hierher verirren sich offensichtlich kaum „Ureinwohner“.

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Graffiti, alle auf dem Rhôneradweg geknipst

Ich finde wieder raus und parkiere auf der gegenüberliegenden Seite. Zu Fuss werde ich wohl meinen Tanzraum schon finden. Da, der Eingang. Ein paar Plakate – mehr Zettel – machen auf Geschäftsexistenzen im Gebäude aufmerksam. Meine Hip Hop Stunde steht da auch. Kein Mensch weit und breit. Ich laufe Treppen hoch, folge kleinen Schildern, durch weiss gekachelte oder gestrichene Räume – herrje, was war das hier mal? Eine alte Fabrik von… was genau? Ganz ehrlich? Ich wähne mich in einem Tatort Film. Fehlt nur noch, dass das Licht ausgeht (hier würde die Dramaturgie Musik einspielen…) und ich Schritte höre. Ich würde davon rennen, mich in diesem riesigen Gebäude verirren, schwer schnaufend durch Gänge rennen, Treppen erstürmen, an Türen rütteln, die Schritte näher kommen hören, da, die Kamera würde schwenken… (ouukaaay, Diagnose „deutlich zu viel Fantasie“).

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Ich finde den Raum. Er ist leicht schäbig. An der Wand alles Spiegel. Klar doch, hey ist schliesslich ein Tanzraum. Jetzt könnte es kurz weh tun (Diagnose „selbstironischer Humor“) Ich trage meine neue Yogahose. Zum letzten Mal, snief. Ein Blick, zwei Blicke, mehrere Blicke in den Spiegel und ich weiss „glaubs“ woher die Bezeichnung Lippenhosen kommt. Ja, Spiegel können unbarmherzig sein. (Ich habe mich so ein bisschen gefragt, ob ich hier Lippenhosen schreiben soll. So als Wort. Hab’s dann auch gegoogelt) OMG. (So habe ich den Planet der Liebe kennengelernt… harharhar… aber hey, die Hosen waren mal echt der Brüller. Neee, ich hatte nie welche. Feierte also diese Woche mein Debüt in Lippenhosen.)

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Na also. Wie ging’s weiter? Ich mit wenigen anderen Greenhorns. Das Aufwärmen stürzt mich schon in Schweissausbrüche. 8, 7, 6, 5, … Bauch halten, nochmals 8, 7, 6, 5, … zitternde Muskeln. Innerlich ächze und stöhne ich, lege mich auf den harten Boden, vermisse meine Yogamatte schrecklich… der BH-Verschluss drückt sich unangenehm ins Fleisch, mein Rücken tut weh… was zum Geier mache ich hier?!? Ich schreie lautlos: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ (Diagnose hier wäre dann „komplette Übertreibung“)

So. Zur ersten Choreo. (was dann für Choreografie stehen würde) Total easy, wenige Schritte nach rechts, dann nach links, die Arme machen irgendwie so und dann alles nach vorne, Arme strecken, Seite wechseln, rückwärts, Arme so hoch und dann so rollen und so… Tilt. Mein Hirn geht in den Tilt-Mechanismus (wunderbares Wort, nich? Lesen hier auch jüngere Menschen mit? Flipperkasten noch ein Begriff? Na dann ist Tilt klar) Laute Musik und mein offenbar schlechter werdendes Gehör (vielleicht sollte ich mal ein Hörgerät Probe fahrn?) verhindern zielorientiert, dass ich höre, was meine Hip Hop Tanzlehrerin ruft.

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Ja, ich war auch auf einem andern Planet 🙂

Und jetzt? Hab‘ ich ein neues Lieblingslied und die Vorstellung, dass ich irgendwann Hip Hop tanzen kann. Nicht in einem cleanen Migrosklubschule Tanzkurs gelernt. Nein. In diesem leicht schäbigen Raum. – So jedenfalls könnte ich mir meine Entscheidung vorstellen. Yoga gegen Hip Hop.

Eines meiner Wochenerlebnisse darf in Kolumnenform zum Samstagsplausch von Andrea Karminrot und zum Wochenglück von Fräulein Ordnung.

PS.
„Hasi?“
„Ja?“
„Du hast super-hot ausgesehen in deinen Leggins.“
„Okeeee…“

PPS.
Mein Reporter-Gen hat mich neugierig gemacht auf den Mikrokosmos bei der Dürüm GmbH* (*Name geändert) Irgendwann, werde ich diesem Gen (dieser Neugierde, dieser Lust auf Geschichtenschreiben) nachgeben.


2 Gedanken zu “Wummernde Bässe. [Tatort-Feeling]

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