Im Zug mit Eddie Murphy.

Ich steige in den Zug ein. Im Getümmel der Menschen fällt mir erst auf, dass es im Wagen von wo plärrt, als ich mich setze. Irritiert schaue ich mich um. Genau hinter mir sitzt ganz offensichtlich ein Mensch (ein Mann), der ohne Kopfhörer recht laut Beverly Hills Cop guckt. Ganz genau höre ich die unverkennbare Stimme von Eddie Murphy. Als Axel Foley. Natürlich.

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Ein roter Schuh will in den Zug (Symbolbild fürs Pendlerleben)

Es stört. Ich habe auch schon einmal einen Sitznachbarn gebeten, die Musik leiser zu stellen (der trug Kopfhörer!!). Heute allerdings – ohne den Menschen gesehen zu haben – denke ich, es ist keine gute Idee. Ich finde mich also mit der Lärmbelästigung ab. In dem Moment schallt „The Final Countdown“ durch das Abteil. Als Klingelton. Ja, heute Morgen frage ich mich tatsächlich, ob die ungeahnten Möglichkeiten der mobilen Kommunikation des Menschen letzter Countdown sind… . Oder im Sinne des Songtexts gefragt: Werden die Dinge jemals wieder dieselben sein?

Wir brechen zusammen auf
Aber dennoch ist es ein Abschied
Und vielleicht werden wir zurückkommen
Zur Erde, wer kann das sagen?
Ich schätze, daran ist niemand schuld
Wir verlassen den Boden (verlassen den Boden)
Werden die Dinge jemals wieder dieselben sein?

Es ist der letzte Countdown
Der letzte Countdown

[Auszug aus „The Final Countdown“]

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Am Abend desselben Tages. Ich setze mich in ein Viererabteil. Gangplatz. Am Fenster sitzt eine Frau. Sie trinkt eine Dose Bier. Auf ihrem Arm verblassen alte Tätowierungen. Ihr wohl einmal schwarzes Haar ist mit silbrigen Fäden durchzogen. Es ist leicht über dem Zenit, eine Haarwäsche zu verdienen. Sie trägt einen übergrossen Pullover, vorne drauf ist ein Bild einer Indianerin mit einem Wolf, der Vollmond wirft Licht auf die beiden. Eine junge Frau und ein junger Mann setzen sich noch dazu. Sofort beginnt die Frau mit leicht verwaschener Sprache mit ihnen zu sprechen. Wohin sie denn fahren?, will sie wissen. Und noch mehr. Sie fahre zurück in die Innerschweiz, erzählt sie, da sei es am schönsten.

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An der nächsten Station steigt eine junge Frau ein, mit einem wunderschön bunten Blumenstrauss. Sie setzt sich ins Viererabteil gegenüber. Sofort bekommt sie Komplimente für die schönen Blumen. Sie scherzt mit und meint, ja, aber „leider“ vom Job. Die „Indianerfrau“ lacht schallend und hält ihr die Hand zum „High five“ hin. Beim Sinnieren, welche Blumen alles im Strauss sind, helfen zwei ältere Frauen mit. Lilien, Löwenmaul und andere werden identifiziert. Diese kleine, wenige Minuten dauernde Szene lässt mindestens sechs Menschen schmunzeln. Eine leicht schmuddelig wirkenden „Indianerfrau“ hat für positive Vibes gesorgt.


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