Vergessene Seiten.

Das Berghäuschen ist zwar so irgendwie auch ein Chalet. Würde ich es als Chalet bezeichnen, würde vor deinem inneren Auge vermutlich ein Chalet mit knorrigem Holz, rot-weiss-karierten Vorhängen und wenn möglich noch mit Steinkamin erscheinen. Dieses Bild könnte das Berghäuschen nicht erfüllen. Es hat dunkel gestrichenes Aussenholz. Und rote Fensterläden, die die dunkelste Nacht überhaupt machen. Und kein Tageslicht eindringen lassen, das mich weckt. Altes Täfer, das schon seit den 60er Jahren die Wände bekleidet. Das Holz ist etwas gelblich geworden.

Es ist klein, hat aber genau die richtige Grösse für uns. (Okay, eine Geschirrspülmaschine wäre toll. Aber so ein Teenager braucht ja auch noch ein Hobby wie z.B. abtrocknen, oder?) In den drei Schlafzimmern und der Küche gibt es Einbauschränke. Wenn ich Schlafzimmer schreibe so sind bei zweien kleine Kammern gemeint, in denen je ein Kajütenbett steht. Und eben ein Einbauschrank. Die Türe kann man ganz öffnen. So gross sind die beiden „Kammern“. Und in eben diesem Einbauschrank fand sich ein „Bergbuch“ von uns, das wir führten als der Teenager noch gaaaanz klein war. Ich schleppte also immer Wasserfarben den Berg hoch und bei der Rast überlegten wir, was wir in unser „Bergbuch“ verewigten.

2012 auf einer Alp: Mit Bergbachwasser angemachte Wasserfarbe und Blütenstempeln gestaltet.

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Im selben Jahr: Auf Wanderung in einem Hochmoor. Unsere beiden Hände eingeschmiert (ach war das ein Spass) und einen Abdruck ins Bergbuch gedrückt.

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Nach der Wanderung auf die Rotondohütte reichte die Energie noch für einen Bierdeckel.

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Wenn ich mich recht erinnere, war der Aufstieg zur Kehlenalphütte auch nicht ganz ohne…

An die Burghütte gibt es schöne und weniger schöne Erinnerungen. Wunderschön die Wanderung. Wir, ein Gast und der Hüttenwart, der sich in später Nacht „aus dem Staub machte“ und uns am nächsten Morgen die Hütte abschliessen liess. Wir waren die letzten Gäste. Ich, mit einer unbehandelten (noch nicht diagnostizierten) Mittelohrenentzündung, Stadium „kein Schmerzmittel hilft mehr“. Auf der Rückfahrt durch das Wallis dann am nächsten Tag beim erstbesten Arzt gehalten und ganz starken Stoff verschrieben bekommen… weiter gelitten bis die Medikamente endlich wirkten.

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Ich mag Tagebücher – von Hand geschrieben, skizziert und gezeichnet – sehr. Was gäbe ich drum, wenn ich ein altes Tagebuch entdecken würde und in eine Lebensgeschichte eintauchen könnte. (Dringt da mein „Indie-Girl-Gen“ durch? Oder eher das „Reporter-Gen“?)

Das Bergbuch geht zum Grünzeug von Naturkinder.


Ein Gedanke zu “Vergessene Seiten.

  1. Liebe Sybille,
    ich mag diese Berghütten sehr, habe aber leider noch nie die Gelegenheit gehabt in einer zu übernachten. Ich bin sowieso ein Fan der Berge.
    Tagebücher finde ich auch immer sehr interessant, besonders alte, aber leider habe ich doch ‚Probleme, die alte Schrift (Sütterlin) zu lesen.
    Ich finde es toll, das ihr selbst ein Tagebuch führt, das macht doch immer Spaß darin zu blättern.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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