Sonntagsgeschirr-Gedanken.

Das Jahr hat 365 Tage – so alle vier Jahre sogar 366. (Alle 100 Jahre aber nicht, dann aber alle 400 Jahre doch… I couldn’t care less… oder anders gesagt, das geht mir ziemlich am F(üdli) vorbei…) Das Sonntagsgeschirr hat es also in 40 Jahren total auf 4.6 Jahre Einsatz gebracht. Dieser Einsatz dümpelt so bei 11 Prozent ungerade herum. Dafür ist das Sonntagsgeschirr vollständig, es fehlen keine Teile, keine Kanten sind abgeschlagen. Die Kinder durfte es ja auch nie abräumen. Das Sonntagsgeschirr wurde behütet, ja überbehütet. Von Montag bis Samstag werden Teller aufgetischt, die halb so viel Freude bereiten. Die müssen vor allem praktisch sein. Dürfen auch schon mal eine Kante abgeschlagen haben. Wenn montags Besuch kommt, sind vielleicht auch nicht mehr genug gleiche Teller vorhanden. Kein Grund das Sonntagsgeschirr zu verwenden. IssjaauchnichtSonntag.

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Da schwirrt mir dieses Gedicht von Erich Fried durch den Kopf. Ein Plädoyer fürs Leben. Für „etwas wagen“. Für Mut.

Auch ungelebtes Leben geht zu Ende
zwar vielleicht langsamer wie eine Batterie
in einer Taschenlampe die keiner benutzt

Aber das hilft nicht viel:
Wenn man (sagen wir einmal)
diese Taschenlampe
nach so- und so vielen Jahren anknipsen will
kommt kein Atemzug Licht mehr heraus
und wenn du sie aufmachst
findest du nur deine Knochen
und falls du Pech hast auch diese
schon ganz zerfressen

Da hättest du genau so gut
leuchten können

[Erich Fried]

Für den Mut. Vor allem den Mut. Oder ist es gar die Idee? Die Idee aus alten Gewohnheiten auszubrechen? Na dann, ran ans Sonntagsgeschirr (oder das was bei jedem von uns das Sonntagsgeschirr symbolisiert). Damit das Sonntagsgeschirr dann irgendwann mal nicht mit einer 10%igen Nutzungsrate ausm Haus getragen wird. Dafür wie neu. (Vielleicht hatte das Sonntagsgeschirr irgendwann mal seine Berechtigung, so wie wollene Unterhosen, Daumenfingerringe, Heidi Klum, Moonboots, TV-Sendepausezeichen, … „kicher“)

Die loszuwerdenden Sonntagsgeschirr-Gedanken schicke ich zum Samstagsplausch von Andrea Karminrot und zum Wochenglück von Fräulein Ordnung.


9 Gedanken zu “Sonntagsgeschirr-Gedanken.

  1. Ein Sonntagsgeschirr gibt und gab es bei mir noch nie. Aber meine Mutter hat dies immer an besonderen Tagen heraus geholt. Ich bin für so etwas nicht. Das Gedicht ist schön und nachdenklich.
    Dir ein schönes Wochenende und herzlichen Gruß hab ein schönes Silvesterfest. Gruß Sylvia

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    1. Ja, ich habe auch kein Sonntagsgeschirr – die Geschichte hat der Mann mit seiner Mutter erlebt… (aber Sonntagsgeschirr kann wohl beliebig durch etwas anderes im Haushalt ersetzt werden) – ich wünsche dir ein gutes neues Jahr. Herzlich, Sibylle

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  2. Brauchen, ich bin voll dafür. All das Aufsparen für besondere Momente, die wir eventuell sogar verpassen und die gar nicht eintreffen, ist so freudlos. Das Brockenhaus ist voller Sonntagsgeschirr. Mir kommt grad in den Sinn, dass ich im Estrich oben einen Stapel Suppenteller aller Couleur habe, die wir im Laden für den Suppenausschank brauchten (einmal im Jahr). Jetzt hole ich mir grad die schönsten Stücke in meine Geschirrschublade. Danke für den Tipp! Liebe Grüsse von Regula

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  3. Liebe Sibylle,

    so ähnlich wie Dir mit dem Sonntagsgeschirr ging es mir mit dem guten teuren WMF-Besteck, welches nur zu besonderen Anlässen aus der Besteckkiste geholt wurde, vielleicht 5 x im Jahr.
    Im vergangenen Jahr hab ich es in die Küchenschublade eingeräumt und freue mich nun jeden Tag an den gut schneidenden Messern und dem schönen Design. Also einfach mal machen und es tut garnicht weh.

    Liebe Grüße und ein schönes neues 2018 mit tollen Reisen und schönem Geschirr wünscht Dir Burgi.

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    1. Danke Burgi. Das Sonntagsgeschirr hatte ich selber nie (ich glaube, dass ist eine Generationenfrage), aber ich bin sicher jeder Haushalt hat so was wie „Sonntagsgeschirr“ – vielleicht der schöne Holztisch, der unterm Tischtuch oder Tischsets verschwindet?, vielleicht das Sofa, das dauernd eine Tagesdecke hat?, vielleicht das Kleid, das nur für einen besonderen Moment bewahrt wird… brauchen, einfach brauchen 😊. Neujahrsgrüsse, Sibylle

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