Diese unerklärliche Sehnsucht.

Einer Binnenlandbewohnerin nach Meer.

Irgendein Marketingstratege war unglaublich effizient und effektiv. Diese Sehnsucht nach Meer muss in den 70-er Jahren entstanden und fortan genetisch weitergegeben worden sein. Tatsächlich erfolgte eine gesetzliche Verankerung des Ferienanspruchs auf Bundesebene in der Schweiz erst im Jahr 1966. Karawanen von Personenwagen (Renault 11, VW Käfer, …) fuhren die kommenden Jahre die Schöllenenschlucht hoch und die Tremolastrasse hinab – den Gotthardpass überwindend, auf dem Weg in den verheissungsvollen Süden. Genauer, an die Adria. Genauer, in die Nähe von Jesolo.

Meer 1

Ab dem Zeitpunkt der Ankunft – bzw. sobald das Zelt stand – wurden dann die Tage auf dem Strandtuch am Meer verbracht. Nach dem Frühstück bis zum Abendessen am Meer. Dazwischen Mortadella mit Sandgeschmack. Wassermelonensaftrinnsale – dem Kinn entlang. Der Mann mit dem lauten Ruf „coccobello cocco fresco“. Und Sonnenbrand. Der war noch salonfähig – eher wurde noch Öl verwendet, um rasch und effizient die gewünschte Bräune zu bekommen.

Meer 2

Mit ein paar Lire ein Gelati geholt. Immer wieder ins Meer baden gegangen und Salzkruste angesetzt. Und – ganz wichtig – Postkartenberge ohne Ende versandt. Motiv: Das Meer. Vom Meer träumten alle. Die, die noch nie waren. Die, die immer wieder waren. Meer symbolisierte… Urlaub in den 70-er und 80-er Jahren!

Meer 3

In den 90-ern dann folgten eigene Reisen. Zwar nicht mehr an die Adria. Trotzdem. Ans Meer. Immer wieder. Und, die erste weite, zusammengesparte Reise nach Australien führte auch ins Great Barrier Reef. Und da, in Airlie Beach übte ich dann für die Tauchlizenz. Fortan war das Meer zum Tauchen gedacht. Was mir gerade recht kam. Denn irgendwann wurde der Grundstein für ein bizarres Gefühl gelegt. Noch so gern war ich unter Wasser, aber weniger komfortabel an der Wasseroberfläche paddelnd.

Meer 5

Grundstein erraten? Ja. Der weisse Hai. Völlig irrational. Ich weiss. Ein Film. Erfunden. Ich meine: Beim Tauchen „lag“ ich am Meeresboden und beobachtete Riffhaie. Ich tauchte auf Sipadan und musste mit Hammerhaien rechnen. (Ich war auf Sipadan, als es damals noch zwei Tauschschulen direkt auf der Insel gab. Wir durften noch auf der Insel wohnen und schlafen. Schon damals jedoch war es verboten,  den Ressort, der aus einfachen aber sauberen Holzhütten bestand, bei Dunkelheit zu verlassen. Heute ist die Tauchbewilligung für Sipadan die reinste Lotterie) (Merke, auch Hammerhaie hielten mich nicht vom Tauchen ab) (Ein bisschen mulmig war mir – ehrlich gesagt – aber schon)

Meer 7

Aber immer wenn es um Meer und baden (oder schnorcheln) ging, wurde ich hellhörig. War da nicht grad‘ was? Auf Hawai’i mit dem Kind zum Schnorcheln in die Hanauma Bay – mal schnell gecheckt, wie’s um Haie in der Bucht steht. In der Ahihi Bucht auf Maui bin ich – trotz wunderschönem Schnorcheln am Tag zuvor – nicht mehr rein. Wegen ungutem Gefühl. (OK, jetzt muss man fairerweise auch sagen, dass Hawaii bzw. Maui sogar in Tauchmagazinen als einer der gefährlichsten Badeorte der Welt identifiziert wurde: Klick)

Und sogar auf Mallorca ging da so ein kurzer Gedanke durch meinen Kopf. Unbegründet? Klick und klick. (Ja, ich weiss, deutlich mehr Menschen werden von Kokosnüssen erschlagen) Nun, jedenfalls fühlten sich meine durchmischten Gefühle dem Meer gegenüber doch ziemlich diffus an. Bis. Ja, bis ich diese Kolumne hier gelesen habe: Der weisse Hai. Endlich. Mit Lösung. Danke Flipper!

Also, immer noch: Ich mag das Meer. Ich gehe auch als „Badende“ ins Meer. (Wegen der Kokosnussstatistik) (Aber nicht so weit raus) (Natürlich nuuur wegen möglicher Strömungen)

Verlinkt bei Mittwochs mag ich, weil ich das Meer mag. Meine Beziehung ist einfach komplizierter geworden. *Augenzwinker*


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