Die seltsame Woche. [no pic]

Die Woche ist seltsam. Seltsam ruhig. (Das noch-Kind ist bei Omi in den Ferien, mindestens ein Grund dafür). Trotzdem. Nichts passiert (na ja, ausgenommen, dass ich wieder arbeite und seit Tagen am Mails abarbeiten bin…). Ja, man könnte diese Woche schon beinahe öde nennen. Wäre da nicht diese auch seltsame Tätigkeit eine neue Reinigungsfrau zu suchen, denn meine bisherige hat nun einen Vollzeitjob gefunden.

Nebenbemerkung: In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „einfach.sein“ gibt es einen grossen Artikel über Schuldgefühle. Da werden Frauen abgebildet, z.B. inmitten von Schuhen mit dem Statement „Ich habe Schuldgefühle, weil ich meine Leidenschaft für Schuhe nicht unter Kontrolle habe“. In meinem Bild wäre ich, umrahmt von unzähligen Putzutensilien, Kesseln, Flaschen, Tüchern, Schrubbern, Putzlappen… mit dem Statement „Ich habe Schuldgefühle, weil ich nicht selber putze und eine Reinigungsfrau habe“. (Schuldgefühle wäre dann tel quel durch Rechtfertigungsgefühle zu ersetzen.)

Zurück zum Punkt. Ich finde es sehr speziell auf einer Homepage durch Fotos voller Frauen (gelegentlich ein Mann) zu scrollen, ihre häufig in holprigem Deutsch selbst verfassten Kurzbeschreibungen zu lesen und irgendwie wählen zu müssen, wen ich nun kontaktiere. Wie sich diese Frauen erst fühlen? Und hey, wir sind hier nicht in einer Singlebörse, sondern auf Homeservice24!

Etwas später in der Woche dann. Eine Frau kommt. Sie ist nett. Ich freue mich, dass ich wieder eine Reinigungsfrau habe. Sie spricht kaum Deutsch. Es klappt trotzdem mit der Verständigung. Wie kommt sie in die Schweiz? Was hat sie hierhergezogen? Mit einer 10-jährigen Tochter. Noch nicht einmal ein Jahr ist sie hier. Ich verstehe sie so, dass sie nicht verheiratet ist. Ganz allein hier? Ich weiss es nicht. Tut sie das für ihre Tochter? Gibt es für sie keine Zukunft in ihrem Heimatland? Was sind ihre Träume hier? Ich kann sie nicht fragen. Sie würde mich nicht verstehen. Irgendwie stimmt mich der Gedanke, dass sie ganz alleine hier sein könnte, nicht froh.

Etwas später die Woche dann. Das noch-Kind ist zurück. Und sofort ist wieder „Leben in der Bude“. Allerdings – er muss jetzt 3.5 Wochen ohne gamen aufholen… (also das meint zumindest er).

„In Sachen Schuldgefühle sind Frauen eine Fehlkonstruktion.“ [Julia Onken, am in der Zeitschrift beschriebenen Seminar] Meine Gefühle – welche Schublade auch immer, Schuld oder Rechtfertigung – sind weg. Ich gebe einem Menschen einen „Mini-Job“.

Meine Woche schicke ich zum Samstagsplausch von Andrea Karminrot und zum Wochenglück von Fräulein Ordnung.

PS. Keine Ahnung, wie das Kind den Mann um den Finger wickelte, dass dieser Strohhalm seinen Weg zu uns fand. Erdbeer- und Schoko-Geschmack. Schon bald jedenfalls war lautes Geröhr und Geblubber zu hören und aus Milch wurden viele Blubberblasen. Ich sagte ja, „Leben in der Bude“. (Ich freute mich wie Bolle!)

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9 Gedanken zu “Die seltsame Woche. [no pic]

  1. Es tut gut, wenn sie weg sind. Aber noch besser, wenn sie wieder da sind.
    Schuldgefühle, weil du Hilfe im Haushalt willst? Quatsch! Du hast es dir verdient, Hilfe zu bekommen und der Frau tust du auch einen Gefallen.
    Du machst alles richtig.
    Liebe Grüße, genieße dein Wochenende,
    Andrea

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    1. 😊 … ja, das ist definitiv so! Job, Familie und Bedürfnisse lassen ein eigenes Putzen gar nicht mehr zu… bzw. nur mit hohem Frustpotenzial (Warum soll ich in meiner wenigen Freizeit auch noch putzen…? Es gibt noch genug, das die Reinigungsfrau nicht macht). Darum bin ich auch überzeugt von meiner Lösung. Herzliche Grüsse und ein schönes Wochenende, Sibylle

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  2. Guten Morgen,
    ich finde nicht, dass man Schuldgefühle haben muss, außer man hat wirklich etwas Schlimmes getan. Weder zu viele Schuhe besitzen, noch einer Frau einen Mini-Job geben sind Dinge, für die man Schuldgefühle haben sollte.
    Ich hätte auch gerne jemanden, der hier saubermacht und hätte da gar keine Schuldgefühle. Ist doch eine win-win Situation, wenn man nicht so wenig bezahlt, dass man deswegen Schuldgefühle haben müsste.
    Hab ein schönes Wochenende und schön, dass der Nachwuchs wieder zuhause ist.
    LG
    Yvonne

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    1. Hallo Yvonne… auf jeden Fall. Bei mir gibt’s keine Schwarzarbeit, rechne alle Sozialabgaben sauber ab, Versicherungen sind abgeschlossen, das – so finde ich – gehört sich so. Und meine Freude war tatsächlich gross, als das Kind wieder nach Hause kam. (Auch die Tage mal ohne waren nett) Herzlich, Sibylle

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      1. Hey Sibylle,
        ich finde auch, dass sich das so gehört und dann ist das eine tolle Sache, wenn man es sich leisten kann. Man muss icht mehr selber die ungeliebten Arbeiten verrichten und jemand anders verdient seinen Lebensunterhalt (bzw. einen Teil davon) damit. Ist doch super!
        LG
        Yvonne

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  3. Frauen sind Meister im Schuldgefühle haben. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Wenn man sich mal so umhört – die Gedanken, die Frauen sich machen, sind Männern völlig fremd. Schuldgefühle, weil du eine Putzfrau beschäftigst, musst du nun wirklich nicht haben. Mit dem Geld, dass sie bei dir verdient, kann sie schließlich zum Teil ihren Lebensunterhalt finanzieren. Du bist Arbeitgeberin.
    Herzliche Grüße
    Christel

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  4. Ich darf auch eine Reinigungsfachfrau haben. Inkl AHV und Versicherung. Sie hat denselben Stundenlohn wie ich. Und trotzdem schäme ich mich manchmal dafür, dass ich mir diesen Luxus leisten darf…… Dabei ist meine Perle sehr dankbar für den Arbeitsplatz……
    Schön, alle wieder unterm Dach zu habrn 😉
    Herzlichst
    yase

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    1. Ich finde das ganz toll. So haben zwei Frauen einen Beruf, sind eigenständig sozialversichert, bleiben im Berufsleben und verdienen eigenes Geld. Das finde ich wichtig für die eigene Persönlichkeit, für Anerkennung, Selbstwert und auch die Abwechslung. Weiter so! Herzlichst, Sibylle

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