Geschichten verweben. [Löffel-Liste]

Vor einiger Zeit war ich w-a-h-n-s-i-n-n-i-g stolz! Ich habe – „augenzwinkernd“ – den ersten (selbsternannten) Bloggerlevel erreicht. Meine erste „bucket list“ war geschrieben… nun, bei diesem Level ist es zunächst geblieben… jetzt jedoch, verkünde ich stolz … (Einspielung „Fanfaren-Geräusch“ 🎺) … dass ich da war… dass ich tatsächlich was getan habe, was auf dieser Löffelliste stand. Ich bin auf den Spuren der Zeit gewandelt. Die spärlich sind und in absehbarer Zeit ganz verschwunden sein werden.

Du erinnerst dich? An das abenteuerliche Leben der Katharina von Arx? Der Frau, die in den 50-er Jahren furchtlos per Anhalterin um die Welt reiste? Die auf Tonga die Königin interviewen sollte und die Liebe ihres Lebens traf? Der Frau, die ihre frühen Kindheitsjahre privilegiert als Fabrikantentochter verbrachte… ?

Ihr Vater, Besitzer und Direktor einer Filzfabrik in Niedergösgen, konnte in den erfolgreichsten Jahren bis zu 50 Fabrikarbeiter beschäftigen und profitierte von den Aufträgen der Bally Schuhfabriken aus dem Nachbardorf Schönenwerd. Zu grosse Risiken ging er jedoch ein und die sich anbahnende Weltwirtschaftskrise und der New Yorker Börsencrash 1929 hatte seine Auswirkungen bis ins kleine beschauliche Niedergösgen. (Globalisierung ist definitiv nicht erst seit gestern, auch wenn wir das manchmal meinen… die industriellen Länder sind unwiderruflich miteinander verwoben, das lässt sich weder rückgängig machen, noch leugnen) Anfang 1933 jedenfalls ist das beschauliche Leben in Niedergösgen dann endgültig vorbei. Die Familie zieht nach Zürich und lebt fortan in bescheidenen Verhältnissen.

Nun konnte ich – auf einer ausgedehnten Fahrradtour – die letzten Zeitzeugen an der Schmiedestrasse in Niedergösgen ausfindig machen.

Dieser Turm hier sollte schon gar nicht mehr stehen. Denn im Internet fand ich das Abbruchgesuch vom Juni 2016. Ich rechnete also nicht mit ihm – er steht trotzdem noch. Offenbar haben Diskussionen um diesen historischen Zeugen aus dem erwachenden Industriezeitalter stattgefunden. Dieser Trafoturm ist – geschätzt – in den Vierzigerjahren errichtet worden. Schon vorher jedoch fand sich hier die gemauerte Verteilerstation der damaligen Elektrizitätsgesellschaft EGS – und schon damals hiess die Station „Filzfabrik“. An der Aussenfassade finden sich noch immer die Isolatoren. Der Zugang ins obere Geschoss erfolgt über eine Aussenleiter und einen Balkon.

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Nur wenige Meter daneben verrät ein windschiefer Kamin, eine abbröckelnde Fassade, altertümliche Keramikisolatoren an der Aussenfassade den nächsten und letzten Zeitzeugen.

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Ich frage einen älteren Mann nach der Filzfabrik. Da, wo Überbauungen unzähligen Menschen Heim geben, stand sie. Die Fabrik. Dieses Gebäude hier sei die „Holzschuehni“ (Holzschuhfabrik), meint er.

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Zu gern wüsste ich, was sich in diesem Gebäude alles verbirgt. (Die Einen nennen es Neugierde, die Anderen Interesse… ich habe einfach ausgeprägte Reporter-Gene 😉 …)

Ein letzter Blick auf die Kamine – ein letztes „Zeitdokument“ der Trafostation Filzfabrik in Niedergösgen. Sie soll abgerissen werden. Die „Bewahrer“ konnten sich nicht durchsetzen.

Fremde Geschichte verwebt sich manchmal auch mit eigener Geschichte. Das hier ist das Kosthaus der Bally Schuhfabriken. Derjenigen Fabrik, mit der Arthur von Arx gute Geschäfte machte.

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Kosthaus Bally-Schuhfabriken

1919 wurde es eingeweiht. Hier konnte die Belegschaft essen. Ein absolutes Novum für diese Zeit! Gesund und ausreichend seien die Mahlzeiten gewesen – liest man im Internet. Mein Grossvater hat auch hier gegessen. Denn er, er arbeitete viele Jahre für die Bally. Was nicht im Internet steht, ist, dass es erste und zweite Klasse „Mahlzeiten“ gab. Die Belegschaft konnte Coupons kaufen und damit in der vielleicht ersten Kantine der Schweiz essen gehen.

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(Familien-)Geschichte. To be continued. (Mein Tag bräuchte mehr Stunden…)

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Das Kosthaus von der anderen Seite der Aare
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Im Bally-Park

Verlinkt bei Mmi – denn ich mag es auf den Pfaden der Geschichte zu wandeln.


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