Alles hat ein Ende – hat es?

Hat alles ein Ende? Der Himmel? Das Sonnensystem? Das Universum?

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Der Krieg in Syrien?

Ich habe wieder gelesen. „Berichte aus Syrien – Der Morgen als sie uns holten“ von Janine di Giovanni. Kriegsreporterin. Und Mutter eines – zum Zeitpunkt der Schreibarbeit für dieses Buch – knapp 10-jährigen Kindes. (Ich könnte nicht. Ich könnte nicht mein Leben aufs Spiel setzen im Wissen, dass ich zu Hause ein minderjähriges Kind habe. Ich könnte wohl nicht einmal ohne Kind) Janine di Giovanni ist – in meinen Augen – eine fantastische Autorin.

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Keine neue Erkenntnis: Der Mensch ist das grausamste Lebewesen auf diesem Planeten. Religion resp. unser Umgang damit ist leider einer der allergrössten Konfliktursachen auf Erden. (Religion ist auch für sehr viele Menschen Trost und Stütze) „Braucht“ der Mensch einfach ein Feindbild (??? … !!!) Sucht er sich dieses, wo er es finden kann? Und die Religion bietet sich einfach gut an? Hätten wir keine Religionen müssten einfach andere Parameter, Kriterien, wasimmer … dienen … ??

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„Die tiefste Tiefe, die ein Mensch erreichen kann, erreicht er, wenn er foltert oder Folter erleidet.“ Folter zerstört die Seele – von allen, Opfer wie Täter. Sexuelle Gewalt zerstört nicht nur die Opfer, sondern die Gesellschaft – für „nach dem Krieg“. So krass das jetzt klingen mag. Die Straflosigkeit der Täter und die spätere – je nach Umständen dauerhafte, da Täter und Opfer möglicherweise im selben Ort leben – Begegnung nach dem Krieg ist für die Opfer lebenslange Erniedrigung. Und für Opfer aus dem muslimischen Kulturkreis ist die kriminelle Tat unabänderlich die Verdammung in die Ehe- und Kinderlosigkeit.

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Was umso nachdenklicher stimmt – in Bezug auf Religion – ist die Tatsache, dass ich bei Señora Gerta, einer Jüdin die Anfangs des zweiten Weltkrieges in Wien lebte, genau dasselbe gelesen habe, wie in diesem Buch über Syrien. Auch Señora Gerta hat sich in Wien nicht „speziell jüdisch“ gefühlt, sondern war in erster Linie Wienerin. Erst die Ereignisse haben sie zur „Jüdin“ gemacht.

Genauso ging es den Menschen in Zabadani. Dort fühlten sich die Bewohner „weniger als Mitglieder irgendeiner ethnischen oder konfessionellen Gruppe, sondern als Syrer“. Genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wurde ihnen vom Regime weggenommen. Nicht nur ein Zeitzeuge kommt im Buch so zu Wort: „Wir haben nicht konfessionell gedacht.“

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Wir (ich!) haben keine Vorstellung von Krieg. Absolut keine. Wir sitzen in unseren gemütlichen Stuben und sehen in den Nachrichten kurze Sequenzen – zischende Raketen, Rauchschwaden, Schutt und Trümmer, graue Menschengesichter. Vielleicht sitzen wir im Wartezimmer beim Arzt und bekommen push-up Nachrichten. (Wir bekommen medizinische Versorgung, wenn wir ein gesundheitliches Problem haben) Die Autorin versteht es aufzuzeigen, wie end-end-end-endlos die Zeit wird, wenn Krieg ist. Wie es ist, eine verlorene Kindheit und Jugend zu haben. Dass – eigentlich einfach zu behandelnde medizinische Probleme – zu einem langen und schmerzvollen Sterben führen.

Ja, ich weiss – oder stelle es mir zumindest vor. Viele mögen es schon gar nicht mehr lesen, hören, sehen. Erst recht nicht auf Blogs.  …   ???

Wie es also – nach dieser endlosen Zeit – erst den Menschen in Syrien ergehen muss… ?

Nur die Toten kennen das Ende des Krieges. [wird Plato zugeschrieben, ohne dass offenbar wirklich Klarheit besteht]

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Verlinkt bei Die Raumfee


2 Gedanken zu “Alles hat ein Ende – hat es?

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