Kondensstreifen sind Konflikte sind Kondensstreifen.

Die zwei sich kreuzenden Kondensstreifen am Himmel im Kontext mit dem Buch „Weil es um die Menschen geht“ [Kilian Kleinschmidt], zeig(t)en mir symbolisch auch die lange Entstehung von Konflikten auf.

Kondensstreifen

Schwellende Konflikte – über Jahre ohne Lösung oder Hoffnung darauf – entladen sich in Völkergruppen, ethnischen oder religiösen Gruppen, Völkern und ganzen Ländern und Regionen häufig in sehr gewaltsamen und blutigen Auseinandersetzungen, Bürgerkriegen, Rebellen- und Guerillakämpfen, Attentaten, Selbstmordanschlägen, Kindersoldaten und Genoziden mit unvorstellbarem Ausmass an Kaltblütigkeit und Grausamkeit.

Kondensstreifen

Nicht selten ist der „Weg“ bis zum brutalen Ausbruch durch frühere Kolonialmächte und westliche Interessen geprägt. Der Autor des Buches beschreibt in eindrücklicher Weise diesen Irrsinn, den er als humanitärer Helfer vor Ort miterlebt hat. Dabei scheut er sich nicht, auch die verschiedenen Hilfswerke und/oder ihre Einsätze kritisch zu hinterfragen.

Kondensstreifen

Kaum ist ein Konfliktherd ausgebrochen, ist es für viele Hilfswerke nicht nur ein Wettlauf mit der Zeit um den Menschen zu helfen, sondern auch, um als Erste vor Ort zu sein. Medienwirksame Bilder der ersten Helfer vor Ort kurbeln ganz offensichtlich die Spendenbereitschaft für genau diese Hilfswerke an.

Kondensstreifen

Kilian Kleinschmidt war häufig an diesen Brennpunkten der Welt. Viele Jahre in Afrika, später Asien aber auch in Ex-Jugoslawien. Verhandlungen und Zusammenarbeit mit Warlords in testosterongeladener Atmosphäre, korrupten Politikern, aktuellen Machthabern, Diktatoren, Rebellenführern, Kriegsverbrechern gehörten zu seinem Job. Er erlebte nicht selten, dass die einstigen Opfer, die seine Hilfe bekamen zu Tätern wurden und er „kurze“ Zeit später den früheren Tätern, jetzt Opfer, half. Viele Kämpfe – anfänglich häufig mit hehren Zielen wie Demokratie, eine Zivilgesellschaft, Gleichheit und Freiheit –  verloren und verlieren ihre anfängliche Bedeutung bis zur Unkenntlichkeit, bis keine Gedanken mehr da sind, wie es denn „später“ einmal sein sollte. Allzu häufig werden dann frühere „Rebellen“ selbst zu Diktatoren. Desaströse Gewaltspiralen!

Humanitäre Helfer in Krisengebieten leben brandgefährlich. Ihre Psyche leidet unter den furchtbaren Bildern, die sie immer wieder in ihrer Seele aufnehmen. Auch über solche Flashbacks schreibt er eindrücklich – Geräusche, Gerüche, Bilder, Worte, alles kann ein solches Flashback auslösen. Vielleicht darum ist auch offen und ehrlich über die Parties und „anderen Seiten“ dieses Lebens am Limit geschrieben. Ein Lebemann und Vater von fünf Kindern mit drei Frauen (soweit ich das richtig „mitgezählt“ habe…). Ein Adrenalinleben mit teilweise minimalsten Standards, ja bis zur Grenze wo die Helfenden selber hungern und sich behelfen mussten.

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Eindrücklich auch die Berichte zu Flüchtlingslagern, insbesondere Zaatari das zu Zeiten der „Höchstbelegung“ über 100’000 syrische Flüchtlinge beherbergte. Zaatari war resp. ist eines der weltgrössten Flüchtlingslager, heute die viertgrösste Stadt von Jordanien. Der Autor war Leiter dieser riesigen Herausforderung und kümmerte sich um 110’000 traumatisierte, aber auch frustrierte Flüchtlinge, da sich „die Welt“ al-Assad nicht genauso wie Gaddafi  „vorgeknöpft“ hat(te). Hinzu kamen die verschiedenen „Sheikhs“ Chefs der verschiedenen Lagerteile und die anfängliche Fehlplanung wonach alles gleich ist und tel quel geteilt wird. Flüchtlinge aber wollen als individuelle Wesen verstanden werden. Es geht um Würde.

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Ist der Konflikt „vorbei“ (wenn es die Region, das Land „es“ dann tatsächlich schafft) haben sich auch die Menschen verändert. Wer jahrelang in einem Lager mit einem Grad an Urbanisierung gelebt hat, geht nicht mehr einfach so zurück in den ruralen Raum. Lager leiten Entwicklungen ein, die so – verstreut in Dörfern – nicht stattgefunden hätte.

Es gäbe noch so viel über dieses Buch zu schreiben, das Augen öffnet, das durch die Konfliktherde und damit auch Diktatoren der letzten, hm, 20 bis 30 Jahre führt. Am Besten jedoch selber lesen. Und sich Gedanken über Vergangenheit (Geschichte) und Zukunft machen.

Die Gedankengänge des Autors, wonach er den Eindruck erhält, dass der Mensch gewisse Entwicklungen und Einsichten insbesondere auch Werterhaltung und -entwicklung offenbar nur über „Blut“ macht, finde ich in Anbetracht von „Mr. Ich“ (den eine amerikanische Bekannte unter anderem als „evil“ bezeichnete) beängstigend. In diesem Kontext ist evil dann nicht nur als böse, sondern als teuflisch böse zu übersetzen.

Diesen Beitrag habe ich noch während dem Lesen des Buches verfasst. Das Bedürfnis die Eindrücke des Buches schreibend zu „verarbeiten“, war drängend.

Meine „Himmelswelten“ verlinke ich jeweils bei Die Raumfee „in heaven“ – wenns denn diese Woche passt.


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