In Amsterdam – Anne Frank Haus. Und im 2. Weltkrieg – „Anna und Armand“.

Geschichte und Menschen mit ihren Geschichten (und ihre Häuser und Wohnungen, und ihre Einrichtung und ihre Gärten) interessieren mich. Am liebsten würde ich manchmal an Wohnungs- und Haustüren klingeln und um einen Rundgang bitten ;-).

Bücher über den zweiten Weltkrieg habe ich schon als Teenager verschlungen (überhaupt Bücher). Obschon ich keinerlei Bezug zur jüdischen Religion habe, haben mich aus dieser Zeit vor allem Biografien von jüdischen Menschen in Bann gezogen. Natürlich allen voran, das Tagebuch der Anne Frank.

Mit 20 habe ich auf einem Städtetrip nach Amsterdam auch das Anne Frank Haus besucht. Und als wir im Frühling dieses Jahres die Rheinradroute in Hoek van Holland beendet haben, stand zum Abschluss Amsterdam auf dem Programm. Und wieder sind wir in das Anne Frank Haus. Um es dem Kind zu zeigen. Auch das Kind liebt Geschichten und damit auch Geschichte. In der rund 1-stündigen Wartezeit in der Schlange wollte er alles über Anne Frank, Hitler, den zweiten Weltkrieg, die Judenverfolgung, wissen. Auch über 20 Jahre nach meinem ersten Besuch musste ich nach dem Gang durch das Hinterhaus meine Tränen unterdrücken.

Das Kind musste-durfte nach den Frühlingsferien in der Schule einen Ferienbericht schreiben. Er hat den Tag mit dem Besuch im Anne Frank Haus beschrieben. Und so sah der Bericht dann aus…

An all das erinnere ich mich heute, wo ich gerade das Buch „Anna und Armand“ fertig gelesen habe. Mit wunderbarer Sprache entwirrt die Enkelin von Anna und Armand ihre Liebesgeschichte und flicht gekonnt ihre eigene (Liebes-)Geschichte mit ein. Der Blick in die Vergangenheit wird konstant verwoben mit dem was „gerade eben“ an Leben in der Gegenwart passiert.

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„«Ein Wunder.» Wie oft hatte ich dieses Wort von Oma gehört? Dass es dich überhaupt gibt, ist ein Wunder. Ein Wunder, dass du hier bist. Ein Wunder, dass wir am Leben sind. Ein Wunder, dass wir überlebt haben. Als Kind dachte ich, Wunder wären gut. Aber die jüdische Tradition lehrt, dass Wunder zwiespältig sind. Denn wenn das Universum wirklich als Abbild des Göttlichen geschaffen worden war, dürfte man eigentlich keine Wunder brauchen. Ein Wunder geschieht, wenn wir Menschen Löcher in die Vollkommenheit des Universums reissen und das Göttliche durch die Löcher heraussickert. Daher kann ein Wunder den Schaden, den Menschen anrichten, nicht verhindern oder ungeschehen machen, es kann nur ein wenig von dem durch diesen Schaden hervorgerufenen Leiden lindern.“ [Miranda Richmond Mouillot]

Meine Sicht zum Wort „Wunder“ hat sich mit dieser Textpassage definitiv verändert. Wann immer die Autorin ihre Grossmutter zitiert, habe ich das Gefühl ihre Stimme zu hören, ihre spezielle Aussprache von „iiberleben“.

„«Was bedaure ich?», schrieb meine Grossmutter einmal vor vielen Jahren. (…) Und deshalb war nur in der Gegenwart zu leben – nicht zurückzublicken oder zu weit nach vorn – sinnvoll. Ich wurde der Mensch voll von dem Bewusstsein, dass die Vergangenheit nicht zurückgebracht werden kann und Bereuen nutzlos ist, weil es das Vorwärtsgehen behindert.“ [Miranda Richmond Mouillot]

Das Buch ist aber keine schwermütige Kost. Echt, ich kann einfach nur sagen, unbedingt selber lesen.


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